Ostbeauftragter Hirte: Fachkräftemangel im Osten – Jede dritte Stelle bleibt unbesetzt

Aus der jährlichen repräsentativen Arbeitgeberbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lassen sich viele interessante Erkenntnisse, auch mit Blick auf wirtschaftliche Angleichung zwischen Ost und West, gewinnen. Die Zentralen Ergebnisse der Befragung der Unternehmen in 2018 zeigen:

  • Mehr als in Westdeutschland bilden qualifizierte Fachkräfte die Basis der ostdeutschen Wirtschaft. 83 Prozent aller Beschäftigten in Ostdeutschland sind auf Arbeitsplätzen tätig, die eine Berufsausbildung oder eine akademischen Abschluss erfordern (West 73 Prozent). In fast zwei Drittel der ostdeutschen Betriebe gibt es mittlerweile keine Arbeitsplätze mehr für Un- und Angelernte.
  • Daher ist es besonders kritisch, dass die Deckung des Fachkräftebedarfs immer schwieriger wird. Ca. 60 Prozent der Betriebe in Ost und West mit Fachkräftebedarf waren im ersten Halbjahr 2018 nicht oder nur teilweise erfolgreich bei der Gewinnung von qualifiziertem Personal. Der Anteil der nicht besetzten offenen Fachkräftestellen stieg im Osten auf einen Höchstwert von 41 Prozent (West 39 Prozent). Wie schon in den Vorjahren gelang es insbesondere Kleinstbetrieben häufig nicht, ihren Fachkräftebedarf zu decken; 60 Prozent ihrer Fachkräftestellen blieben unbesetzt (Durchschnitt Ost 41 Prozent).
  • Die schwierige Fachkräftesituation hemmt besonders in Ostdeutschland die wirtschaftliche Entwicklung, da 71 Prozent der Betriebe in Ostdeutschland Kleinstbetriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern sind (West 67 Prozent). Ein erheblicher Teil des vorhandenen Wachstumspotenzials in Ostdeutschland blieb daher ungenutzt.
  • Insgesamt ist die Betriebslandschaft im Osten nicht nur stärker von Kleinstbetrieben gekennzeichnet, auch sind die Betriebe erheblich jünger. 87 Prozent der Betriebe wurden in oder nach 1990 gegründet (West 67 Prozent).
  • Die Ausbildungsbeteiligung der ostdeutschen Betriebe ist deutlich höher als vor fünf Jahren. Von den ausbildungsberechtigten Betrieben (40 Prozent im Osten, 56 Prozent im Westen) beteiligten sich 2018 47 Prozent im Osten (West 54 Prozent) an der Ausbildung. Die geringere Ausbildungsquote im Osten lässt sich zum Teil damit erklären, dass jüngere und kleinere Betriebe sich seltener an der Ausbildung beteiligen.
  • Im Osten wurden noch nie so viele Beschäftigte weitergebildet wie im letzten Jahr. Mehr als die Hälfte der Betriebe (54 Prozent in Ost und West) hat ihren Beschäftigten im ersten Halbjahr 2018 eine Fort- und Weiterbildung finanziert. Mit anteilig 40 Prozent wurden im Osten so viele Beschäftigte weitergebildet wie noch nie (West 36 Prozent). Die Investitionen in das Wissen der Belegschaft sind wichtig, da dadurch die Produktivität gesteigert werden kann.
  • In Ostdeutschland gibt es anteilig mehr Frauen in Führungsverantwortung als in Westdeutschland (Ost 31 Prozent, West 25 Prozent). Allerdings hat sich der jeweilige Anteil in Ost und West den letzten zehn Jahren kaum verändert.
  • Der Rückgang der Tarifbindung ist nicht weiter gesunken, es besteht aber nach wie vor eine große Lücke zwischen Ost und West. 20 Prozent der Betriebe im Osten sind tarifgebunden (West 29 Prozent). Im Vorjahr betrug die Tarifbindung der Betriebe im Osten noch ein Prozentpunkt weniger. 45 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Osten in tarifgebundenen Betrieben (West 57 Prozent). Gründe für die geringere Tarifbindung sind, dass es mehr Aus- als Eintritte von Betrieben in die Tarifbindung gibt, die Verbands- und damit auch die Tarifbindung abnehmen und jüngere und kleinere Betriebe seltener tarifgebunden sind.
  • Die Lohnlücke zwischen Ost und West hat sich erstmals seit einigen Jahren wieder etwas verringert, wenngleich die monatlichen Bruttodurchschnittslöhne Ost mit 2790 Euro nach wie vor deutlich unter Westniveau (3340 Euro) liegen. Einige Ursachen für die niedrigeren Löhne liegen in den geringeren Lebenshaltungskosten, dem geringeren Anteil des gut zahlenden verarbeitenden Gewerbes, dem jeweils höheren Anteil von jüngeren Betrieben und von Kleinstbetrieben.
  • Die Umsatzproduktivitätslücke hat sich zwischen ost- und westdeutscher Wirtschaft wieder verringert. Die pro Beschäftigten erzielten Umsätze lagen 2017 bei 70 Prozent des Westniveaus (Vorjahr 64 Prozent). Zu den Gründen zählen u.a. die geringere Exportquote, der geringere Anteil des verarbeitenden Gewerbes und die geringere Innovationsquote. Die geringere Umsatzproduktivität darf allerdings nicht als geringere Leistungsfähigkeit der Ostdeutschen interpretiert werden (z.B. hat formal ein ostdeutscher Friseur eine geringere Umsatzproduktivität, weil der Preis pro Haarschnitt geringer ist).

Was ist das IAB-Betriebspanel?

Das IAB-Betriebspanel ist eine seit 1996 erhobene, jährliche repräsentative Arbeitgeberbefragung. Jährlich werden von Ende Juni bis Oktober bundesweit Betriebe aller Wirtschaftszweige und Größenklassen befragt. Diese repräsentative Betriebsbefragung umfasst ein breites Fragenspektrum zu einer Vielzahl beschäftigungspolitischer Themen, die in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht werden. Ergänzt wird das jährliche Standard-Fragenprogramm um jeweils aktuelle Themenschwerpunkte. Für die Auswertungen liegen Befragungsdaten von insgesamt rund 15.000 Betrieben vor, davon rund 6.000 aus Ostdeutschland.

Detaillierte Ergebnisse der IAB-Betriebspanels für Ostdeutschland für die Jahre ab 2007 finden Sie nachstehend.