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Grenzgänge - Kommunale Erfahrungen mit Teilung und Einheit

Mit der Entstehung von zwei deutschen Staaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und mit dem Mauerbau am 13. August 1961 wurden jahrhundertealte Regionen auseinander gerissen. Die deutsch-deutsche Teilung war entlang der Berliner Mauer am deutlichsten sichtbar, so wurde die Berliner Mauer weltweit zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas.

Doch auch in anderen Regionen Deutschlands entlang der innerdeutschen Grenze wurde das örtliche und regionale Gefüge auseinander gerissen: Das gewohnte lokale und regionale Umfeld war zerschnitten und nicht mehr funktionsfähig. Straßen führten plötzlich ins Nichts. Familien, Freunde und Verwandte waren voneinander abgeschnitten. DDR-Bürgerinnen und Bürger im Grenz-Sperrgebiet mussten mit umfangreichen Kontrollen und Auflagen leben. Die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und den Machtblöcken des kalten Krieges verlief mitunter inmitten von Orten und trennte Verwandte, Freunde und Nachbarn.

In der Zeit von 1961 bis 1989, als die innerdeutsche Grenze quasi undurchlässig war, entwickelten sich so beiderseits des Grenzzauns neue kommunale und regionale Strukturen. Mit dem Fall der Mauer und mit der deutschen Einheit haben die Menschen in diesen Regionen ihr Leben neu geordnet. Die früher fast unüberwindbare Grenze ist an vielen Orten mit dem bloßen Auge kaum mehr zu entdecken. Die Grenzanlagen sind verschwunden, der Grenzstreifen von der Natur und den Menschen wieder in Besitz genommen worden. Und auch die Regionen beiderseits der deutschen Grenze näherten sich wieder an. Es boten sich Möglichkeiten, alte Verbindungen wieder zu beleben oder neue Partnerschaften und Kooperationen zu entwickeln. Die damit verbundenen Erfahrungen wurden im Projekt "Grenzgänge - Kommunale Erfahrungen mit Teilung und Einheit" diskutiert und dokumentiert.

Rückblich auf drei Veranstaltungen:

Die erste Veranstaltung fand am 12./13. August 2009 dezentral an mehreren Veranstaltungsorten in der Region Hof - Plauen statt. Im Sommer 2010 standen die ehemaligen Grenzregionen Magdeburg/Helmstedt (28. und 29. Juni 2010) und Eichsfeld (12. und 13. August 2010) im Mittelpunkt. Bürgerinnen und Bürger der Regionen konnten auf einer Spurensuche entlang der ehemaligen Grenze ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus der Zeit der Teilung und bei der Gestaltung der Einheit sammeln und diskutieren. Im Fokus stand dabei nicht nur die Überwindung der einst trennenden Grenze. Darüber hinaus ging es um konkrete Erfahrungen bei der Gestaltung der deutschen Einheit durch regionale Partner in der Zivilgesellschaft, in der Wirtschaft sowie in Politik und Verwaltung. Ein wichtiges Thema warz die historische Aufarbeitung der Geschichte der deutschen Teilung und der Friedlichen Revolution des Jahres 1989.

In Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern an der ehemaligen innerdeutschen Grenze sollten konkrete Erfahrungen der Beteiligten vor Ort mit der deutschen Teilung und bei der Gestaltung der deutschen Einheit in Vergangenheit und Gegenwart diskutiert sowie Erwartungen an die Zukunft formuliert werden. Die Beschäftigung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft der eigenen Region soll eine gemeinsame Perspektive der Grenzregionen fördern. Die zwischen Ost und West ausgetauschten Erfahrungen und Erinnerungen aus 40 Jahren deutscher Teilung und aus 20 Jahren deutscher Einheit sollen dazu beitragen, mehr Verständnis und Akzeptanz für die jeweils anderen Lebensperspektiven zu entwickeln und damit einen Beitrag zur Vertiefung der deutschen Einheit zu leisten. Die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte soll die Erinnerung lebendig halten und dabei helfen, aus den unterschiedlichen Erfahrungen in Ost und West eine gemeinsame Perspektive für eine gemeinsame Zukunft zu entwickeln.

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