Demografische Situation in den ostdeutschen Ländern
Deutschland befindet sich in einem demografischen Wandel, der durch einen Rückgang und vor allem durch die Alterung der Bevölkerung geprägt ist. Diese Prozesse verlaufen in den ostdeutschen Bundesländern deutlich schneller als in Westdeutschland, woraus sich besondere Herausforderungen aber auch Chancen ergeben.
Der demografische Wandel verläuft regional mit deutlichen Unterschieden. Betroffen sind insbesondere die ländlichen und peripheren Räume in Ostdeutschland. Nach vorliegenden Projektionen zur Bevölkerungsentwicklung wird es in Ostdeutschland Regionen geben, die im Zeitraum von 1990 bis 2020 mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verlieren. Demgegenüber dürften in Kernregionen wie z. B. Berlin, Potsdam, Dresden oder Leipzig auch stabile oder ansteigende Trends zu verzeichnen sein.
+ künftige Bevölkerungsdynamik
Im Jahr 2009 lebten in Deutschland etwa 82 Millionen Menschen, davon 16,5 Millionen (20,1 Prozent) in den ostdeutschen Ländern. Während im früheren Bundesgebiet bis 2006 noch eine Zunahme der Bevölkerung zu verzeichnen war, ging die Bevölkerung der ostdeutschen Länder von 18,1 Millionen in 1990 um rund 9,5 Prozent zurück. Neben der höheren Zahl der Sterbefälle im Vergleich zu den Geburten geht dies auf Wanderungsverluste zurück.
Merklicher Anstieg des Altenkoeffizienten
Die steigende Lebenserwartung, der Geburtenrückgang und der Umstand, dass vor allem jüngere Personen abwandern, haben zu einer deutlichen Alterung der Bevölkerung in Ostdeutschland geführt. Der Altenquotient (Anzahl der Personen über 65 Jahre bezogen auf die Anzahl der 20 bis 64-jährigen multipliziert mit 100) ist in den ostdeutschen Ländern von 22,4 im Jahr 1990 auf 36,3 im Jahr 2009 angestiegen. Auch im früheren Bundesgebiet ist die Bevölkerung gealtert. Der Altenquotient ist dort im gleichen Zeitraum von 23,9 auf 33,5 gestiegen – etwas moderater als in den ostdeutschen Ländern.
+ Bevölkerung in Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt
Nach Projektionen des Statistischen Bundesamtes aus der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung setzen sich diese Trends auch zukünftig fort. Bis zum Jahr 2025 könnte danach die Bevölkerung der ostdeutschen Länder auf 14,9 Millionen Menschen zurückgehen und der Altenquotient auf rund 53 ansteigen.
Der Alterungsprozess ist regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Kreise, in denen der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung bereits mehr als 24 Prozent beträgt, finden sich überwiegend in den ostdeutschen Ländern. Kreise mit einem Anteil der Bevölkerung im Rentenalter unter 18 Prozent kommen hingegen gar nicht vor.
Abnahme und Alterung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter
Im Zeitraum zwischen 1990 und 2008 ist die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis unter 65 Jahre) in den ostdeutschen Ländern von 11,2 Millionen auf 10,3 Millionen gesunken, während sie im früheren Bundesgebiet mit 39,4 Millionen Menschen dagegen nahezu konstant geblieben ist. Gleichzeitig ist die Erwerbsbevölkerung im Durchschnitt älter geworden. Der Anteil der Altersgruppe von 45 bis unter 65 Jahre an der Erwerbsbevölkerung in Ostdeutschland ist seit 1990 von 41,1 auf 46,6 Prozent angewachsen. Die älteren Personen im erwerbsfähigen Alter haben daher für den Arbeitsmarkt an Bedeutung gewonnen. Auch diese Trends werden sich fortsetzen.
Weiterhin Wanderungsverluste in den neuen Bundesländern
Ostdeutschland musste zwischen 1991 und 2009 eine Abwanderung von knapp 1,1 Millionen Personen in die westlichen Bundesländer hinnehmen. Im Vergleich zu den Jahren nach dem Mauerfall – und auch den Jahren vor dem Mauerbau – sind die Wanderungsverluste jedoch erheblich zurückgegangen. Nachdem sich der Saldo aus Zu- und Fortzügen zwischen der DDR und dem früheren Bundesgebiet in Jahr 1989 und 1990 auf über 350.000 Personen jährlich belief, hat sich dieser in den letzten Jahren bei durchschnittlich 50.000 Personen pro Jahr eingependelt. Im Jahr 2009 betrug das Wanderungssaldo nur noch 32.000 Personen und hat sich somit weitgehend stabilisiert.
Die Zu- und Abwanderungen verliefen alters- und geschlechtsspezifisch sowie räumlich sehr unterschiedlich. Die Fortzüge seit 1991 verteilen sich in etwa zur Hälfte auf Frauen und Männer, dagegen sind die Frauen unterproportional bei den Zuzügen vertreten. In den Jahren 2007 und 2009 hat sich der Abwanderungsüberschuss der Frauen verringert.
Jüngere Menschen wandern – wie international üblich – deutlich stärker als ältere. Etwa die Hälfte der ostdeutschen Wanderungsverluste sind durch den Fortzug von Personen im Alter von 18 bis unter 30 Jahren entstanden. Dazu tragen geringere regionale Bindungen in dieser Altersgruppe bei. Zudem ist das Ausbildungs- und Arbeitsplatzmotiv wanderungsentscheidend. An den Wanderungsverlusten dieser Gruppe sind Frauen deutlich überproportional beteiligt. Regional konzentriert sich die Abwanderung insbesondere auf ländliche und strukturschwache Regionen.
Zuzüge aus West- und Ostdeutschland (einschl. Berlin) und Fortzüge aus Ost- nach Westdeutschland nach Alter, 1991-2008
| Altersgruppe von ... bis in Jahren | Wanderungssaldo insgesamt in 1.000 | In Prozent |
| bis 18 | -278,0 | 25,5 |
| 18 –u. 25 | -405,3 | 37,2 |
| 25 –u. 30 | -125,7 | 11,5 |
| 30 –u. 50 | -242,4 | 22,2 |
| 50 –u. 65 | -29,2 | 2,7 |
| 65+ | -9,1 | 0,8 |
| Gesamt | -1.089,6 | 25,5 |
(Datenquelle: Statistisches Bundesamt)
Zuwanderungsgewinne aus dem Ausland konnten die Binnenwanderungsverluste in Richtung der westdeutschen Länder nur geringfügig kompensieren. Die in den letzten Jahren für Deutschland insgesamt zurückgehenden Zuwanderungszahlen bei etwa gleichbleibenden Abwanderungen haben auch in Ostdeutschland zu nur geringen Zuwanderungsüberschüssen bzw. sogar Verlusten gegenüber dem Ausland geführt.





